Staatsschutz eingeschaltet und Verdächtiger in Tatortnähe gefasst
Staatsschutz eingeschaltet und Verdächtiger in Tatortnähe gefasst
An einem Nebeneingang der Synagoge in Wuppertal-Barmen ist am Donnerstagnachmittag Feuer gelegt worden. Ein 37-Jähriger mit afghanischer Staatsangehörigkeit wurde kurze Zeit später in der Nähe festgenommen. Verletzt wurde niemand, der entstandene Sachschaden ist nach Angaben der Polizei gering.
Nach bisherigen Erkenntnissen begab sich der Mann gegen 13.58 Uhr zum rückwärtigen Eingang des Gotteshauses. Dort soll er eine brennbare Flüssigkeit ausgeschüttet und entzündet haben. Anschließend flüchtete er vom Tatort.
Angehörige beziehungsweise Mitarbeiter der Synagoge bemerkten das Feuer und konnten es innerhalb weniger Minuten selbst löschen. Nach Polizeiangaben wurden eine Tür und eine Treppe durch Ruß beschädigt.
Nur kurze Zeit nach der Tat nahmen Polizeibeamte in Tatortnähe einen verdächtigen Mann fest. Er wurde anschließend vernommen. Nach weiteren Informationen soll er einen weiteren Beutel mit einer Flüssigkeit bei sich getragen haben, bei der es sich mutmaßlich um Urin gehandelt habe.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Spurensicherung war an der Synagoge im Einsatz, zudem wurde der Staatsschutz eingeschaltet. Ob die Tat antisemitisch motiviert war, ist nach den bislang mitgeteilten Ermittlungserkenntnissen noch nicht geklärt.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, verurteilte den Angriff und verwies auf dessen Zeitpunkt während der jüdischen Hohen Feiertage. Besonders verstörend sei für ihn die «Seelenruhe», mit der der Täter den Angriff am helllichten Tag ausgeführt habe. Schuster sieht darin eine «fortschreitende Normalisierung des Judenhasses».
Mit Blick auf den in drei Tagen beginnenden Jom Kippur appellierte Schuster an die Sicherheitsbehörden, den Schutz jüdischer Einrichtungen und Gottesdienste sicherzustellen. Jüdinnen und Juden würden sich durch den Angriff nicht davon abhalten lassen, ihre Religion zu leben. Schuster verwies zugleich auf frühere Angriffe während jüdischer Feiertage, darunter die Anschläge in Halle 2019, Manchester an Jom Kippur 2025 und Sydney während Chanukka 2025.
Die Wuppertaler Synagoge war bereits im Juli 2014 Ziel eines Brandanschlags. Damals warfen drei Palästinenser sechs Molotowcocktails auf das Gebäude. Die Täter wurden später zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ein antisemitisches Motiv sah das Gericht seinerzeit nicht als erwiesen an; diese Bewertung stieß auf deutliche Kritik.
Der aktuelle Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund einer gestiegenen Zahl dokumentierter antisemitischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen registrierte nach den vorliegenden Angaben im Jahr 2025 insgesamt 1.102 Vorfälle. Im Jahr zuvor waren es 940 gewesen, was einem Anstieg um 17 Prozent entspricht.