Verdacht auf «Needle Spiking» in Deutschland – Anzeige nach Vorfall in Solingen
Verdacht auf «Needle Spiking» in Deutschland – Anzeige nach Vorfall in Solingen
In Solingen hat es am Samstag einen mutmaßlichen Fall von «Needle Spiking» gegeben, nachdem eine 19-Jährige einen möglichen Nadelstich gemeldet und Anzeige erstattet hat.
Nach Angaben der Polizei hielt sich die junge Frau gegen kurz nach 13 Uhr mit einer Begleitperson in der Innenstadt im Bereich des Mühlenplatzes auf, als ein bislang unbekannter Mann auf sie zukam und versuchte, ihr die Hand zu geben. Nachdem sie dies abgelehnt hatte, ergriff der Mann nach Polizeiangaben ihre Hand gewaltsam und schlug mit der anderen darauf.
Dabei verspürte die 19-Jährige nach eigenen Angaben einen möglichen Stich mit einem spitzen Gegenstand, etwa einer Spritze oder Nadel. Der Täter entfernte sich anschließend in unbekannte Richtung. Später stellte die Betroffene an der Hand ein Einstichloch fest.
Die 19-Jährige beschrieb den mutmaßlichen Tatverdächtigen als etwa 40 bis 50 Jahre alt und rund 1,65 Meter groß. Der Mann soll eine dickliche Statur und ein ungepflegtes Erscheinungsbild gehabt haben. Sein Haar wurde als gräulich beschrieben. Zum Zeitpunkt des Vorfalls trug er eine dunkelgraue Jogginghose sowie schwarze Sneaker.
Die junge Frau suchte daraufhin ärztliche Hilfe, um medizinische Untersuchungen durchführen zu lassen. Ob tatsächlich eine Substanz injiziert wurde und welcher Gegenstand verwendet worden sein könnte, ist derzeit unklar und Gegenstand laufender Untersuchungen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung.
Hintergrund ist eine zunehmende Zahl von Meldungen über sogenannte «Needle-Spiking»-Vorfälle. In Frankreich hatten im vergangenen Jahr Berichte über mutmaßliche Nadelattacken während der «Fête de la Musique» für landesweite Verunsicherung gesorgt, nachdem mehr als 140 Frauen angegeben hatten, während des Musikfestivals gestochen worden zu sein.
Auch in Deutschland wurden entsprechende Verdachtsfälle gemeldet, unter anderem in Berlin, Hamburg, Leipzig und Köln. Unter «Needle Spiking» versteht man das heimliche Injizieren von Substanzen in Menschenmengen, häufig mithilfe einer Spritze. Betroffene berichten teils von Symptomen wie Benommenheit, starker Müdigkeit, Erinnerungslücken, Kreislaufproblemen oder Bewusstlosigkeit.
Die genaue Art möglicher Substanzen ist jedoch oft schwer nachweisbar; in Einzelfällen vermuten Fachleute Sedativa, Benzodiazepine, GHB oder Anästhetika wie Ketamin. Ermittler sprechen von einem beunruhigenden Trend, dessen Hintergründe bislang nur teilweise geklärt sind. In vielen Fällen lässt sich keine Substanz nachweisen, dennoch stellt die Ungewissheit für Betroffene eine erhebliche psychische Belastung dar.
Ärzte empfehlen, bei einem plötzlichen Nadelstich oder ungewöhnlichen körperlichen Symptomen umgehend Kontakt zu Begleitpersonen oder Sicherheitspersonal aufzunehmen, schnellstmöglich eine Klinik für toxikologische Untersuchungen aufzusuchen und den Vorfall bei der Polizei anzuzeigen – auch dann, wenn kein Stoff festgestellt wird.